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TRANSFORMAT Kleinbasel
Kulturvermittlungsprojekt mit Ausstellung, Performance,
Pop-Up-Coiffeur, Diskurs Taverne und Publikation, 2017

 

TRANSFORMAT Kleinbasel will auf den rasanten Wandel im Stadtteil aufmerksam machen und verbindet dabei künstlerische Vorgehensweisen und Methoden der Stadtforschung. In einer mehrwöchigen Reise begeben sich Füsun Ipek und Michel Winterberg aufsammelnd in die Prozesse der Veränderung Kleinbasels und befragen die BewohnerInnen.
„Im Alltag von Kleinbasel liegt ein unheimlich poetischer Reichtum an vielfältigen Geschichten, Stimmen und Klängen. Diese Vielfalt gilt es freizulegen und erlebbar zu machen.“

Mit Blick auf die zunehmend sichtbaren Veränderungen in Kleinbasel reifte 2016 bei den beiden KünstlerInnen der Gedanke einer Auseinandersetzung mit den Prozessen im Stadtteil. Als BewohnerInnen von Kleinbasel ist den beiden Kunstschaffenden wichtig, dass ihre Arbeit die Vielfalt und die Veränderungen umkreist, deren Teil sie sind und denen sie sich nicht entziehen können.

In Kooperation mit DOCK Archiv Diskurs- und Kunstraum und dem Stadtteilsekretariat Kleinbasel entstand dabei das Konzept eines künstlerischen Forschungs- und Vermittlungsprojektes zu Fragen der Vielfalt, der Transformation, der Wertschätzung, des Selbstverständnisses, des Alltags und zur Rolle künstlerischer Verfahrensweisen im Kontext von Stadt und Bevölkerung.

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Die Recherche
In der Recherche geht es darum, mit den unterschiedlichen Menschen und Dingen in Kleinbasel in ein Gespräch zu kommen und die vielfältigen Facetten des Ortes im Prozess seiner Veränderung aufzulesen. Das Projekt verbindet dabei künstlerische Vorgehensweisen und Methoden der Stadtforschung. Die Recherche wird dabei selbst zur Gestaltung von Situationen der Begegnung und zu einer wechselseitigen Vermittlungsarbeit, bei der die KünstlerInnen dem Stadtteil und seinen BewohnerInnen zunächst zuhören.

Die Sammlung
Während der Recherche leihen sich die KünstlerInnen in Kleinbasel verschiedene Objekte aus, die sich wie Abgeordnete ihrer Heimatläden, -werkstätten und -cafés im DOCK versammeln.

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Die Ausstellung
Die gesammelten Dinge der Forschungsreise und die verscheiden Erzählungen von Kleinbasel werden während der Ausstellung das DOCK bevölkern. Wie der rastlose Stadtteil selbst, werden diese Assemblagen dabei elektromechanisch, diskursiv und alltagspraktisch in Bewegung gehalten.
Der Raum von DOCK verwandelt sich in dieser Zeit in ein transkulturelles Parlament, dessen abgeordnete Objekte die Spannungsfelder zwischen den Prozessen und Akteuren des Ortes zum Raum der Öffentlichkeit hin ausdehnen und verhandelbar machen.
In einer Reihe von Installationen, diskursiven Formaten und Aneignungen könnte hierbei das erscheinen, was der Titel als «Transformat» bezeichnet. Dabei geht es forschend darum, verschiedene Diskurs-Settings und Situationen der Versammlung, Begegnung und wechselseitigen Vermittlung zu erproben.

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Der Pop-Up-Coiffeur
Der Pop-Up- Coiffeur bringt verschiedene Coiffeur-Kulturen zusammen und schafft eine Situation des
Austausches, des Gesprächs und der Begegnung. Die Positionen von Publikum und Bühne changieren dabei. In alltäglicher Weise werden Coiffeure und Besucher selbst zu PerformerInnen. Die Haarschnitte sind ohne Geld und gegen ein gutes Gespräch oder ein schönes Schweigen gratis zu erhalten. Während des Wartens auf eine neue Frisur kann vor- und nachher über den Stadtteil, die Mode oder die Welt in der Ausstellung geplaudert werden

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Die Klang-Performance «Collobjects»
Collobjects bezeichnet in der Computer-Welt die Möglichkeit, eine durch Beziehungen verbundene Gruppe von Objekten als ein zusammenhängendes Ding, als eine Versammlung oder eine Assemblage zu begreifen. In Versammlungen geht es oft auch darum, dass jedes Mitglied die Gelegenheit zum Sprechen erhält und Rollen oder Funktionen sich verändern können und neue Mitglieder die Gruppe erweitern. Mit der Performance «Collobjects» versammeln die KünstlerInnen Menschen, Dinge und sich selbst als ein solches Collobject. Im Verlauf werden sie dabei Dinge wie Scheren, Sparschäler, Gemüse und weitere damit verbundene Nichtmenschen und Menschen zum sprechen bringen. Wie z.B. spricht oder klingt eine Zuggetti, eine Guggumere oder eine Pistazie? Wie orchestriert sich ein solcher Chor, wenn die Rollen sich wechseln und klassische Funktionen überwunden werden?
Neben Rollenfrage zwischen Künstlern, Dingen und Publikum verhandelt die Performance dabei auch situationistische Fragen der Aneignung und des Umfunktionierens.

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Diskurs Taverne – Wer macht die Stadt und was macht die Kunst?
Mit dem Format der Diskurs-Taverne verwandeln wir das DOCK in ein Parlament des Alltags. An einer langen Tafel werden wir über den Abend mit verschiedenen Menschen zu Fragen der Veränderung in Kleinbasel diskutieren und das Potenzial künstlerischer Vorgehensweisen im Umgang mit Stadtentwicklungsprozessen ausloten.
Wenn wir Stadt als etwas erkennen, dass durch vielfältige Handlungen hervorgebracht wird, die einem Gemenge aus Menschen, Dingen, Materialien und Diskursen entstammen, so können wir fragen: Welche Rolle könnte eine künstlerische Auseinandersetzung innerhalb der Transformationen spielen, wenn Künstler*innen sich zunehmend selbst als Teil dieser dynamischen Prozesse begreifen? Welches politische Potenzial enthalten Methoden des Sicht- und Vernehmbarmachens? Welche Möglichkeiten einer transformativen Praxis lassen sich erkennen?
Das Format der Taverne scheint uns dafür gut geeignet, denn die Taverne steht historisch als politischer Ort der Kirche und dem Rathaus gegenüber und umfasst zugleich das Wohnen, die Arbeit, das Vergnügen sowie das Private und das öffentliche. All jene Aspekte also, an denen sich auch die Veränderungen in Kleinbasel abzeichnen.

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Die Publikation ISBN 978-3-033-06471-3
Zur Finissage der Ausstellung ist die Publikation eines Fanzine geplant. Gedacht als künstlerische Dokumentation und Übersetzungsarbeit ist es zugleich das Log-Buch einer Randonée durch die verschiedenen Etappen des Projektes. Dabei werden Bilder, Texte, Zitate und anderes Material in Kollagen und Überlagerungen zusammenfliessen und vielfältige assoziative Einstiegspunkte in die nicht-lineare und komplexe Ordnung Kleinbasels ermöglichen.

Transformat Kleinbasel ist ein künstlerisches Forschungs- und Vermittlungsprojekt von DOCK in Kooperation mit den Kunstschaffenden, dem Stadtforscher Ben Pohl und dem Stadteilsekretariat Kleinbasel.

Herzlichen Dank für die Unterstützung Swisslos-Fonds Basel-Stadt, Ernst und Olga Gubler Hablützel Stiftung, Gerspach AG


Bilder unter https://transformatkleinbasel.tumblr.com/
http://transformat.net/


Programm
6. 6. 17, 19h         Vernissage mit Speed Speech
7. 6. – 27. 7. 17       Ausstellung
14. 6. 17, 19h        Collobjects – Performance
13.-15. 6. 17, 15h     Führung Archiv & Ausstellung
28.-30. 6. 17, 15-20h   Pop-up-Coiffeur, gratis Haarschnitt
11.7. 17, 19h         Diskurs-Taverne
27. 7. 17, 19h        Finissage
18.10.17, 19h        Publikation Vernissage

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